Wer hat's geschrieben?

Der Autor lebt unter dem Namen André Linke in einer kleinen Gemeinde im Westerwald auf einem ehemaligen Bauernhof. Mit ihm hausen dort seine liebe Ehefrau, sein Vater, fünf Hunde, vier Zwergkaninchen, zahllose Schwalben, Mäuse, Spinnen und eine Katze. Alt ist er noch nicht, jung schimpfen ihn manchmal seine Arbeitskollegen -  das Alter von 33 Jahren steht dann doch irgendwo dazwischen. Er arbeitet in einem Mittelzentrum an der Sieg als Diplom-Sozialarbeiter und hilft Azubis dabei, ihre Lehre zu schaffen. Ein toller Beruf, der allerdings schändlich bezahlt wird.
Ein Schriftsteller sein, das war nie sein Lebensziel, doch da war diese Geschichte und irgendjemand musste sie erzählen. Also machte er sich ans Schreiben und im Winter 2006 war es endlich vollbracht. Dies erwies sich dann als die leichte Hürde; einen Roman schreiben ist nicht die Herausforderung, eine Veröffentlichung ist es. Die Verlagsuche war von Anfang an schwierig, die Gründe dafür zu suchen und gar zu finden ist müßig. Es gab nur Absagen, manche höflich, andere technisch, inhaltlich gleich: Es gibt keinen Bedarf. Das macht mutlos. Aber ehrlich, schauen wir uns die Seiten im Internet an, die dieses heikle Thema behandeln. Dort wird jungen Autoren eh kein Mut gemacht, die Chancen stehen eben schlecht.
Na und? Wofür hat denn ein findiger Geist das Internet erfunden? Vielleicht geht der Traum der Veröffentlichung somit auf andere Weise in Erfüllung.

Ein kurzer Lebenslauf...


... geboren am 29. März 1975 in Kirchen/Sieg.

... die schulische Laufbahn endete mit dem Abitur.

... das Studium gipfelte im Abschluss als Diplom-Sozialarbeiter.

... leider gab es auch Zeiten der Arbeitslosigkeit.

... in denen der Roman zu seinen größten Teilen entstand.

... von der Idee bis zum letzten getippten Wort: 5 Jahre.

... zurzeit  tätig in einer von der Bundesagentur für Arbeit finanzierten Maßnahme, die es jungen Auszubildenden ermöglicht, ihre auf der Kippe stehende Ausbildung doch noch zu beenden.

... schriftstellerisch relevanten Fakten gibt es keine, denn der Roman ist die erste Arbeit in diesem weiten Feld.

... aber nicht die Letzte!


Das Anschreiben an die verschiedenen Verlage...


Manuskripteinsendung

                                                                                                                                                                                                             Dickendorf, irgendwann
Sehr geehrte Damen und Herren,

Wie oft haben sie das schon gehört? "Ich habe ein Buch geschrieben und suche nun einen Verlag, der mein Wunderwerk auch druckt." Sicherlich unzählige Male, wenn sich auch nicht jeder traut, von "seinem Wunderwerk" zu sprechen. Das tue ich auch nicht, dafür habe ich schon viel zu viele von dieser Art gelesen, um meines damit gleichzusetzen.
Aber wie verfasst man ein Anschreiben an einen Verlag, der täglich Manuskript über Manuskript erhält, alle mit der einen großen Hoffnung verbunden? Das unzerbrechli­che Selbstbewusstsein des jungen, aufstrebenden Autoren schreit: "Hey, du hast ein Buch geschrieben, da ist das doch ein Klacks!"
...
Nein, so einfach ist es nicht. Man versucht sich den Menschen vorzustellen, der dieses Anschreiben zu lesen bekommt (nein, kein Dämon mit blitzenden Krallen, der alles zerreißt, was er in Reichweite kriegt) und sucht verzweifelt nach den richtigen Worten.
Soll ich schmeicheln? Nein, zu unsicher, das kann böse nach hinten losgehen. Olten könnte das vielleicht, aber den versteht ja niemand.
Soll ich drohen? Das ist ja absoluter Blödsinn. Na gut, Chaklio würde das tun, aber vor dem kann man sich auch fürchten.
Soll ich Geld beilegen? Vielleicht einen Versuch wert, ich habe aber nie welches. Und Fendo würde mich wegen der Verschwendung auslachen.
Soll ich Versprechungen machen? Nein, das macht ja jeder. Wenn Mulgran auch sagen würde: "Du kannst deine wenigstens einhalten!"
Soll ich betteln? Nein, das geht gar nicht. Das würde Skundarg auch niemals tun.
Soll ich verzaubern? Ja, das ist eine gute Idee. Thelin wird das schon schaffen. Wenn er auch nicht so genau wüsste, wie er es letztendlich gemacht hat.

Lesen Sie das Exposé, das ich diesem Anschreiben beigefügt habe. Wenn Ihnen die Story gefällt, dann nehmen Sie sich doch auch noch die kurze Zeit für die Ausschnitte, die ich für Sie ausgewählt habe. Vielleicht zaubere ich auf diese Weise wirklich ein frohes Lächeln auf Ihre Lippen! Ich glaube, damit wäre mir schon geholfen.
Sollten sie dennoch Bedarf verspüren, mehr von Olten, Chaklio, Fendo, Mulgran, Skundarg und Thelin zu erfahren, wenden Sie sich vertrauensvoll an mich. Wenn Sie schon jetzt genug von mir haben, wäre ich froh, wenn Ihre Absage in knappen Sätzen begründet wäre. Schließlich will man sich verbessern.


Mit freundlichen Grüßen


André Linke